Instrumente und Luftfeuchtigkeit

Im Leben jedes Cembalobauers taucht immer wieder so mancher verzweifelten Musikers auf, der ihn bettelt, den Resonanzboden vom Cembalo eines anderen Herstellers zu untersuchen und möglicherweise zu „reparieren“. Die Erklärungsversuche der Eigentümer für die erfolgte „Katastrophe“ sind vielfältig: schlechte Materialien, inkompetente Handwerker, ungeeignete Klebstoffe, falsch interpretierten historische Vorbilder und so weiter.

Mit diesem Artikel möchte ich ein wenig Licht in diesem dunklen Kapitel des Cembalistenlebens bringen. Zu aller erst möchte ich klar sagen, dass zum Glück ein Resonanzboden mit ein paar kleinen Rissen gar nicht „kaputt“ ist . Tatsächlich kann es noch viele Jahre problemlos seine klangliche Funktion erfüllen, obwohl es optisch als hoffnungslos verloren wirkt. Ihn zu reparieren, austauschen oder einfach so zu belassen, ist eine Entscheidung, die von Fall zu Fall getroffen werden muss.

Zweitens möchte ich auch sagen, dass wenn auch manchmal konstruktive Mängel tatsächlich eine gewisse Verantwortung tragen, mindestens ebenso oft liegen die Ursachen anderswo. Leider gehören Wunder nicht zu dieser Welt, doch Probleme schon; und so muss auch klar gesagt werden, dass auch bei Verwendung der richtigen Materialien, gewissenhafter Arbeit, entsprechenden Leimen und Modellen, kann es zu Rissen im Resonanzboden kommen, wenn das Instrument nicht richtig aufbewahrt wird.

Übrigens ist mir bis heute (August 2021) noch nie passiert dass ein Resonanzboden aus meiner Werkstatt rissig geworden ist: bisher haben meine Tricks gereicht. Und doch mache ich mir keine Illusionen: es ist nur eine Frage der Zeit, bis ich eine E-Mail von einem netten Kunden bekomme, in dem er mir so schön beschreibt, wie beim Resonanzboden seines wunderschönen Cembalo, das er mit viel Liebe in der niedlichen Ecke neben dem Heizkörper gestellt hatte, „seltsamerweise“ im Winter einige Risse entstanden sind.
Und ich weiß auch allzu genau, dass als ich ihm erklären werde, dass er im Grunde selber Schuld ist und ich nicht die geringste Absicht habe, eine solche Nachlässigkeit zu tolerieren und dabei ihm das Instrument umsonst zu reparieren, wird er wahrscheinlich anfangen, meine Wenigkeit, meine Arbeit und meinen ganzen Stammbaum zu verfluchen.

Daher möchte ich diesen Artikel im Voraus schreiben, damit meine Kunden und andere gewissenhaften Musiker daraus profitieren können, in der Hoffnung dass uns allen so manche verzweifelten E-Mails erspart bleiben.
Ich mag meine Kunden als intelligente und neugierige Menschen zu betrachten; aus diesem Grund, anstatt ihnen nur die üblichen idiotensicheren Regeln zu geben, die in unserer modernen Welt so beliebt sind (stellen Sie Ihr Instrument nicht in die Mikrowelle; spielen Sie es nicht unter der Dusche; schlucken Sie Stimmwirbeln und Saiten nicht …), will ich versuchen ein vollständigeres Bild zu geben. Ich werde ganz einfach erklären, wie das Material funktioniert, aus dem Instrumente bestehen und damit auch den Leser eigenständig und verantwortungsbewusst machen. Die Lektüre wird sicherlich länger und komplexer sein als eine Handvoll Regeln, aber wie ein altes chinesisches Sprichwort so schön sagt:

„Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben.“

 

Der Bau eines Instrumentes beginnt mit dem Fällen eines Baumes. Jenseits der idyllischen Überlegungen, dass ein stilles Lebewesen einem unbelebten Klangobjekt zum klingen bringt ( „Viva fui in sylvis / Sum dira excissa securi / Dum vixi tacui / Mortua dulce cano“ ), soll man wissen, dass Holz ein poröses und hygroskopisches Material ist, das ständig Wassermoleküle mit der umgebenden Luft austauscht; und vor allem auch, dass dieser Prozess nie aufhört.
Zum Zeitpunkt des Schneidens besteht etwa die Hälfte oder mehr des Gewichts des Stammes aus Wasser, dann beginnt die Trocknung und das Material verliert langsam Feuchtigkeit, bis es ein Gleichgewicht mit der Umgebung erreicht hat.
Solange das Holz noch 30 % Feuchtigkeit enthält, ändert sich das Volumen des Stammes nicht. Unterhalb dieser Grenze beginnt das Material zu schwinden: bis es vollkommen getrocknet ist, verliert Holz etwa 10-20% seines Volumens!
Noch schlimmer ist, dass Holzschwund je nach Faserrichtung unterschiedlich ist: dadurch entstehen unweigerlich grobe Risse, von der Mitte ausgehend, wie man sie auf unverarbeitete Stämme betrachten kann. Um dies zu vermeiden wird das Baum noch vor der Trocknung in wesentlich dünnere Bretter geschnitten.
In der Längsrichtung verändert das Holz seine Abmessungen nur ganz geringfügig und so kann die Länge praktisch als fest angesehen werden.
In Radialrichtung , d.h. mit stehenden Jahresringe, schwindet das Holz je nach Holzart um ca. 3-6% . In Tangentialrichtung, also mit liegenden Jahresringe, schrumpft das Holz ungefähr doppelt so viel (ca. 6-12%).
Aus diesem Grund verwendet man für das Resonanzboden, mit wenigen Ausnahmen (Zypresse), nur Holz mit stehende Jahresringe, welches viel stabiler ist.
Aus diesen unterschiedliches Verhalten versteht man auch dass es während des Baus wichtig ist, die passende Faser-Richtung für jedes Stück zu wählen um Stabilität und Dauerhaftigkeit zu erreichen.

Sobald das Holz so weit getrocknet ist, dass sich sein Feuchtigkeitsgehalt mit der Luft im Gleichgewicht ist, kann man es verarbeiten. Das Ende des Trocknungsprozesses bedeutet leider nicht, dass das Material seine endgültige Größe erreicht hat, sondern nur ein Gleichgewicht mit der Umgebung. Jedes Mal, dass die Luftfeuchtigkeit zunimmt, neigt das Holz dazu, zu quellen und jedes Mal, dass diese abnimmt, wird es dazu neigen, zu schrumpfen. Amen.
Dies sind die grundlegende und unveränderliche Gesetze, den sich jeder Holzhandwerker anpassen muss. Da im Laufe der Jahrhunderte die besten Konstruktionsmethoden der Tischlerei, Zimmerei oder Instrumentenbau daraus entwickelt wurden, bilden sie die Grundlage für alles Schöne, Stabile und Beständige.
Wer entsprechend baut, wird gute Ergebnisse erzielen; wer nicht, wird gewiß bald Enttäuschung erleben.

Das Hauptproblem für Menschen ist, dass dieser Schwind- und Quellprozess langsam genug ist, um mit bloßem Auge unsichtbar zu bleiben, so dass viele ihn erst dann bemerken, wenn etwas schon schief gelaufen ist.
Auch die innere Kräfte des Materials sind schwer vorstellbar; dabei sollte man bedenken, dass die Römer in den Marmorbrüchen, Holzkeile einsetzten, um Platten zu spalten, die dann mit Wasser befeuchteten.

Da es auch schwierig ist die tatsächliche Ausmaß der Bewegung zu begreifen, habe ich eine Art sehr „analoges“ Hygrometer gebaut, um es für jeden sichtbar zu machen. Dieses einfache Instrument besteht aus einer langen festen vertikalen Struktur, auf die ein Resonanzbodenstreifen wie eine Lasche genagelt ist. Dadurch sind die Jahresringe senkrecht zur festen Struktur (also parallel zum Boden) gerichtet und das nach unten zeigende Ende ist frei beweglich.
Der Streifen misst genau 1000 mm, wenn die relative Luftfeuchtigkeit 50% beträgt, was für die meiste Zeit des Jahres der Normalwert für meine Gegend ist. Wenn die Luftfeuchtigkeit im Spätwinter auf 30 % sinkt, misst der Streifen dann nur noch 997 mm; bei Sommerstürmen, wenn die Luftfeuchtigkeit deutlich 80 % überschreitet, kann sie sogar 1006 mm messen.
Diese Variation der Abmessung ist in der Praxis das Kreuz des Instrumentenbauers! Wenn man dieser Resonanzbodenstreifen bei 1000mm Länge an beiden Enden kleben würde (wie bei einem Instrument der Fall ist), sobald er auf 997 geschrumpft ist, würde die fehlenden Millimeter  durch einen Riss aufholen; hingegen wenn er auf 1006 quillt, würde sich einen Bauch in der Mitte bilden. Unter Umstände könnte diese Variation in einer beheizten Wohnung sogar noch größer sein.

Angesichts dieses physikalischen Phänomens kann ein bescheidener Instrumentenbauer keine Wunder bewirken: er kann nur aufgrund seiner Erfahrung und Vorhersage einen optimalen Feuchtigkeitsbereich auswählen, in der Hoffnung, dass der Besitzer das Instrument nicht zu extremen Bedingungen aussetzen wird. Trotz aller Vorkehrungen, die ein guter Handwerker anwenden kann, gibt es bei einem Material wie Holz keine Rezept, die bei jedem Zustand funktioniert und daher ist die aktive Zusammenarbeit des Besitzers gefragt, um das Instrument in Bestform zu erhalten.

 

Um zu begreifen, was man tun oder vermeiden soll, muss jetzt auf elementarer Ebene noch geklärt werden, wie sich das andere grundlegende Element dieser Angelegenheit verhält: die Luft.
In der Natur enthält Luft oberhalb von -40 ° C immer eine gewisse Menge an Wasserdampf. Anders als man denkt, ist es jedoch nicht wichtig, die tatsächliche Menge (g / mc) zu kennen, denn die Fähigkeit, Feuchtigkeit aufzunehmen, hängt von der Temperatur ab: kalte Luft kann nur einen Bruchteil dessen aufzunehmen, was warme Luft kann. Das wesentliche, um ihr Verhalten vorhersagen zu können, ist wie viel Feuchtigkeit die Luft enthält im Verhältnis zu der maximale Menge, die sie tragen könnte.
Dieses Verhältnis in Prozent wird als relative Feuchtigkeit bezeichnet und ist genau was man umgangsprachlich meint, wenn man über Luftfeuchtigkeit redet. Wenn Luft im Verhältnis zu ihrem maximalen Wasserenthalt weniger als 50% enthält, wird sie als trocken definiert; enthält es dagegen mehr als 50%, nennt man sie feucht.

Aus dem eben Gesagten ergibt sich ein weiterer grundlegender Prinzip von hohem praktischen Wert: Wenn man kalte Luft erwärmt, sinkt die relative Luftfeuchtigkeit unweigerlich und sie wird versuchen, diese wieder zu integrieren, indem sie z.B. Zimmerpflanzen, Möbeln, Instrumente und alles andere was Wasser enthält, trocknet.
Wenn warme Luft dagegen abgekühlt wird, steigt die relative Luftfeuchtigkeit; nähert sich diese bei 100 %, so fängt sich an Kondenswasser zu bilden. Aus diesem Grund finden Sie immer etwas Wasser im Kühlschrank oder in der Klimaanlage.

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Umgebungsfeuchte wird üblicherweise in niedrig (unter 40%), normal (40-60%) und hoch (über 60%) unterteilt.
Diese konventionelle Einteilung berücksichtigt auch die menschlichen Bedürfnisse: Zu trockene Luft führt zu Austrocknung der Haut, Reizungen der Atemwege und begünstigt zudem die Zirkulation von Feinstaub und Viren. Daher ist es auch für Ihr Wohlbefinden besser sehr trockene Luft zu vermeiden. Es ist dabei zu bemerken dass Umgebungsfeuchte in der Natur ganz selten unter 30 % sinkt; in beheizte Räume, jedoch sehr häufig.
Bei sehr feuchter Luft hingegen (über 70%) vermehren sich Milben und Bakterien; so kann sich unter Umstände und in den weniger belüfteten Ecken des Hauses sogar Schimmelpilz bilden: alles Gesundheitsrisiken. Ich glaube es gibt also gute Gründe, auch unabhängig von Musikinstrumenten, die Umgebungsfeuchte im Auge zu behalten.

 

Nachdem nun die allgemeinen Grundsätze geklärt sind, kommen wir doch zu einigen praktischen Hinweisen für Instrumentbesitzern:

Der erste Schritt besteht darin, ein Hygrometer zu kaufen (oder zu bauen). Sie gibt in aller Arten und Preise: es ist die typische Investition von wenigen Euro, die später Tausende ersparen kann. Noch idealer wäre es, die Situation bereits vor dem Kauf eines Instruments ein ganzes Jahr lang zu beobachten. Auf diese Weise ist es möglich, dem Hersteller wichtige Angaben über den Standort des Instruments zu geben.

Sofern nicht anders angegeben, gehen meine Instrumente von einem Feuchtigkeitsbereich von 30 bis 80 % aus. Was bedeutet dies in der Praxis? Dass die Gefahr von Rissen in den schwächsten Bereichen ernsthaft wird, wenn das Instrument über einen ausreichend langen Zeitraum einer Feuchtigkeit unterhalb des Mindestgrenzwerts ausgesetzt wird. Wenn es stattdessen für längere Zeit über der maximalen Grenzwert bleibt, kann es einen anormalen „Bauch“ im Resonanzboden entwicklen und es können kleine mechanische Probleme auftreten , wie z. B. Springer oder Tasten, die unzuverlässig repetieren oder stecken bleiben; im schlimmsten Fall könnte der geschwollene Resonanzboden fast die Saiten berühren, was einen metallischen geräusch im Tenorbereich bewirkt. Normalerweise kehrt das Instrument aber nach und nach in seinen ursprünglichen Zustand zurück, sobald die Luftfeuchtigkeit wieder auf normale Werte zurückkehrt; es wird wieder normal spielbar, doch wenn sich Risse geöffnet haben, die bleiben dann leider wo sie sind.

Es ist auch zu beachten, dass sich bei Strapazen auch die gesamte Struktur sich unmerklich ändert, so dass selbstverständlich auch die Stimmung und alle anderen Regulierungen des Instruments in gewissem Maße beeinflusst werden.

Aus diesem Grund mögen Instrumente einen Ort, an dem die Bedingungen so stabil wie möglich sind. Da es sich besonders bei Cembali um Regulierungen handelt, die bei einem immer arbeitenden Material wie Holz eine Präzision auf den Zehntelmillimeter erfordern, sollten wir uns nicht wundern, wenn ab und zu einige kleine Störungen auftauchen können. Im Allgemeinen sind dies nur kleine Dinge, die normal sind: sie brauchen keine Angst zu haben, aber es ist wichtig, die Situation unter Kontrolle zu halten. Es ist daher auch sehr empfehlenswert, wenn Sie lernen einige kleine Einstell- und Wartungsarbeiten selbst zu durchführen . Auch wenn der Hersteller diese kleinen Störungen bei Bedarf gerne für Sie beseitigen kann, ist es nicht immer bequem, ein Instrument zu seiner Werkstatt herum zu transportieren.

Bezüglich Stabilität: Generell gilt die Regel, dass Instrumente, zumindest auf theoretischer Ebene, je breiter sind, desto stärker dem Wandel der Luftfeuchtigkeit unterliegen, denn eine breitere Oberfläche ändert sich mehr als eine schmälere. Am schlimmsten sind dann diejenigen, bei denen die Fasern des Resonanzboden im Winkel haben, da dies einen ähnlichen Effekt mit sich bringt wie die Vergrößerung der Breite.
Dies heißt nicht unbedingt dass die obengenannte Instrumente gleich schlecht sind, doch vielleicht wenn jemand für den eigenen Instrument ein „bewegtes“ Leben im Sinn hat, sollte sich über diesen Aspekt Gedanken machen. Leider sind Virginale, meiner Erfahrung nach, trotz der günstigen Abmessungen des Resonanzboden aufgrund anderer struktureller Eigenschaften oft nicht sehr stabil.
Clavichorde, hingegen, (vor allem gebundene) sind eher unempfindlich und bei weitem die allerstabilsten; dies verringert das Risiko von Problemen und macht Wartung fast überflüssig.

Die Wärmequellen im Haus sind nicht gleichmäßig verteilt und können daher gefährliche Bereiche mit sehr niedriger Luftfeuchtigkeit schaffen: Der Heizkörper, der Kamin und andere Wärmequellen, so malerisch auch immer, sollten unbedingt vermieden werden, es sei denn, man ist absolut sicher, sie bleiben immer ausgeschaltet.

Direkter Sonnenlicht ist auch zu vermeiden; tatsächlich heizt es den Resonanzboden auf und trocknet ihn. Meistens bekommt man damit kein Schaden, soll aber die Luftfeuchtigkeit schon niedrig sein, kann dies einen Riss verursachen. Außerdem dunkelt Sonnenlicht mit der Zeit das Holz nach (dies ist aber eher Geschmackssache). Der Deckel ist sicherlich weniger empfindlich und es ist besser ihn geschlossen zu halten, wenn Sie nicht spielen.
Denken Sie daran, dass das gleiche auch passieren kann, wenn Sie das Instrument einige Stunden im Auto in der Sonne liegen lassen, mit möglicherweise noch schlimmeren Folgen.
Bei Konzerten im Freien sollten Sie bedenken dass eher als nur Sonnenwärme, könnte eine Vorbeiziehende Wolke oder ein frecher Vogel das größere Problem sein. Daher sollten sie unbedingt mindestens ein Zelt über das Instrument haben.

Wenn die Umgebungsfeuchte im ganzen Haus vorübergehend sehr niedrig ist, muss eine Lösung gefunden werden, um die Situation zumindest in der Nähe des Instrumentes zu entschärfen bis das Wetter günstiger wird. Der erste Schritt besteht darin, die Heizung in diesem Raum auszuschalten und dann die Tür und den Deckel zu schließen. Luftbefeuchter, Pflanzen, Wäscheständer mit feuchten Tüchern usw. können helfen, die Situation vor Ort zu verbessern.

Die Fenster in der Nähe des Instruments sind unter Kontrolle zu halten. Das Wetter kann sich auch während Ihrer Abwesenheit ändern und im Sommer ist es nicht ungewöhnlich, dass Wasser bei einem starken Gewitter über einem halb geöffneten Fenster im Haus gelingt.
Manche trinken gerne beim Üben und es kann an sich eine gute Idee sein, denn Kopf und Körper brauchen Hydratation. Es ist auch egal ob man Wasser, Kaffee, Saft, Bier oder Vodka beim spielen bevorzugt, doch vermeiden Sie sorgfältig alle Situationen, in denen das Glas auf das Instrument verschütten kann. Das gleiche gilt, wenn Sie es geschlossen halten und nur Ihre Sachen darauf legen. Vermeiden Sie Instrumente mit feuchten Tüchern zu reinigen, es sei denn, Sie sind sicher, dass sie mit wasserfesten Farbe oder Lack behandelt wurden.

Das Gehäuse des Instruments enthält im inneren ein gewisses Luftvolumen, das sich nur langsam an neue Ruambedingungen anpasst. Aus diesem Grund sollten schnelle und extreme Veränderungen vermieden werden: diese schaffen ein offensichtliches Ungleichgewicht zwischen den am stärksten exponierten Teilen und denen, die sich nur langsam anpassen.
Bei einem Konzert ist es ratsam, mindestens einen Tag Eingewöhnung in die neue Umgebung einzukalkulieren, bevor das Instrument stabil ist. Wenn Sie Glück haben, reicht es auf einem guten Instrument, nur zu Beginn der Proben zu stimmen und vor dem Konzert nochmals zu überprüfen. Aber wenn entweder das Instrument oder die Umgebung nicht optimal sind, wird sich die Situation mit einem Tag Anpassung erheblich verbessern.

Der Deckel ist eine gute Möglichkeit, die Veränderungen beim Transport (und auch sonst) abzumildern und zu verlangsamen. Im Allgemeinen ist es ein guter Schutz vor Licht, vor Staub, vor Insekten und vor allem, was mit Ihrem Resonanzboden in Berührung kommen möchte. Wenn Sie nicht spielen, sollten Sie es am bestens geschlossen halten. Im Notfall können Sie die Cembalohülle oder ein Tuch verwenden.

Es gibt Luftbefeuchter (und -entfeuchter) in allen Formen und Preisen auf dem Markt. Ob sich der Kauf lohnen könnte ist eine andere Frage. Mein allgemeiner Rat ist, dass Sie es wahrscheinlich nicht brauchen werden, wenn Sie in gemäßigte Zonen wie Kontinentaleuropa wohnen: Sie müssen nur die Situation im Auge behalten und notfalls im Winter das Instrument in einen ungeheizten Raum stellen. Wenn Sie aber wissen, dass Sie mit extremen klimatischen Bedingungen konfrontiert werden (Skandinavien, Süd-Ost Asien, usw…), könnte sich der Aufwand lohnen und Ihnen einige schlechten Überraschungen ersparen.

 

Abschließend möchte ich bemerken, dass man bei der Lektüre dieser Anleitung, die eine lange Reihe problematischer Situationen beschreibt, wahrscheinlich einige den Eindruck gewinnen werden, dass die Wartung eines Cembalo ein titanisches Unterfangen ist und dass die totale Katastrophe immer vor der Tür steht.
Doch die Realität ist genau das Gegenteil: Ein Schaden ist ein außergewöhnliches Ereignis, das nur unter bestimmten Bedingungen eintritt. Die Luftfeuchtigkeit liegt in Europa während des Jahres fast immer zwischen 30% und 80% und mit etwas Aufmerksamkeit können Sie auch alle anderen Risiken entschärfen.
Wenn wir grundsätzlich daran gewöhnt sind, Gegenstände aus Metall wie ein Auto oder ein Motorrad zu „knuddeln“ und keiner von uns erwartet, dass sie ohne Berücksichtigung von Wartungs- und Serviceleuchten lange fahren können, warum sollten wir stattdessen erwarten, dass Instrumente aus Holz gar keine Pflege benötigen? Im Grunde sind ein wenig Aufmerksamkeit und ein Hygrometer neben dem Instrument alles was man wirklich braucht um sich, um viele Jahre Freude zu sichern.